Der Wechsel auf das neue SAP Financial Products Subledger (FPSL) Release 2306 war für viele Banken deutlich mehr als ein technisches Upgrade. Die Neuerungen, Anpassungen und methodischen Änderungen greifen z.T. tief in Kernprozesse der Finanzbuchhaltung ein und erfordern eine präzise Abstimmung zwischen Fachbereich, IT und Accounting.
Als movisco AG haben wir im Rahmen eines Großprojekts eine deutsche Bank bei dieser Umstellung begleitet – von der Konzeption über das Customizing, das Testing und die Fehleranalyse, bis hin zur Stabilisierung des Produktivbetriebs.
Die neue FPSL-Version 2306 bringt zahlreiche technische und funktionale Verbesserungen mit sich, die für die langfristige Stabilität und Wartbarkeit des Systems entscheidend sind. SAP Fioneer hat im Rahmen dieses Releases veraltete Funktionen abgeschaltet und neue Standardmechanismen eingeführt, die künftige regulatorische Anforderungen und internationale Bilanzierungsstandards besser unterstützen. Zudem wurde durch die Fokussierung auf erwartete Cashflows eine fundamentale Änderung durchgeführt, die viele Banken in Bezug auf die Datengrundlage vor Herausforderungen stellt, während die ebenfalls überarbeiteten Bewertungs- und Fremdwährungsfunktionen eine konsistentere Buchungslogik ermöglichen. Auch andere Funktionalitäten wie die automatisierte Öffnung und Schließung von Perioden schaffen Erleichterung im Betrieb. Eine Migration auf die neue FPSL-Version verhindert mittelfristig Inkompatibilitäten bei Support Packages, SAP-Hinweisen und regulatorischen Erweiterungen und ist daher dringend anzuraten.
Für Banken, die ihre FPSL-Einführung oder den Releasewechsel im Kontext einer übergeordneten Finance-Transformation betrachten, bietet unser Beitrag „SAP S/4HANA Finance – Grundlagen und Überblick“ eine fundierte Einordnung der Zielarchitektur und zentralen Zusammenhänge.
Mit dem FPSL Release 2306 hat SAP die Funktionalität zur Erzeugung von Zahlungsströmen („Cashflows“) grundlegend angepasst und die Verarbeitung auf die erwarteten (expected) Cashflows anstelle der Vertrags-Cashflows geändert. Dies stellt viele Kunden vor die Herausforderung der Datenanlieferung, da vielerorts die erwarteten Cashflows nicht auf Vertragsebene vorliegen.
Neben den aktuellen Vertragsdaten sind individuelle Bewertungsparameter erforderlich. Sie ermöglichen damit eine präzisere und zugleich realistischere Grundlage für die Bilanzierung, Abgrenzungen und Ergebnisermittlungen, liegen oftmals aber nur auf Portfolioebene vor.
Eine der größten fachlichen Veränderungen betrifft die Einführung des neuen geschäftsvorfallbasierten Defer-Rechners (Prozessschritt 6190), der den bisherigen Rechnertyp 10 (Prozessschritt 6200) ablöst. Dieser Wechsel erfordert bei bereits produktiven Systemen ein zusätzliches neues umfangreiches und zeitabhängiges Customizing und die manuelle Migration bestehender Bestände, um den neuen Rechner zu aktivieren und den alten fachlich korrekt zu deaktivieren, ohne die Verarbeitung rückwirkender Zeiträume komplett auszuschließen.
Da der Defer-Prozess für die periodengerechte Abgrenzung von Erträgen und Aufwendungen eine zentrale Rolle spielt, ist hier eine besonders sorgfältige Validierung der Ergebnisse notwendig. Nach der Einführung des neuen Defer-Rechners lässt sich aber als erster Eindruck ein wesentlich stabilerer Defer-Prozessschritt erkennen, der den umfangreichen Wechsel und die Migration durch die bessere Stabilität des Systems ausgleicht.
Für die Abnahmetests haben wir ein standardisiertes Testverfahren angewendet, um die manuellen Aufwände möglichst gering zu halten.
Ebenfalls mit FPSL 2306 eingeführt wurde die neue Funktion FX Remeasurement and Translate, die die bisherige Fremdwährungsbewertung Value FX ablöst. Die Aktivierung dieser Funktion erfolgt zum Jahreswechsel, da die Bewertung auf periodenübergreifenden Bestandsfortschreibungen basiert. Dies bedeutet für die Implementierung und Produktivsetzung, dass das Customizing zeitabhängig erfolgen muss, um für den Zeitraum bis zur Aktivierung am 1. Verarbeitungstag des neuen Jahres die bisherige Funktionalität des Value FX sicherzustellen und auch rückwirkende Reprozessierungen zu ermöglichen.
Die neue Funktion realisiert nun eine Trennung zwischen Remeasurement (Neubewertung) und Translation (Übertrag in Konzernwährung) und reduziert damit potenzielle Bewertungsdifferenzen zwischen Subledger und Hauptbuch.
movisco hat in diesem Zusammenhang das Customizing und die Kontierungslogik so erweitert, dass die neue Methode zunächst parallel getestet und anschließend zum neuen Jahr produktiv geschaltet werden konnte. Auch hier kamen standardisierte Test- und Abnahmeprozesse zum Zuge, um die Aufwände möglichst gering zu halten.
Ein weiterer Fokus des Release 2306 liegt auf der Erhöhung der Datenqualität. Neu eingeführte Warnmeldungen im Prozessierungslog informieren nun gezielt über potenzielle Dateninkonsistenzen oder ungewöhnliche Verarbeitungsszenarien.
FPSL kann mit dem neuen Release Perioden des laufenden Jahres nun anhand des zu prozessierenden Buchungsdatums selbstständig öffnen und schließen. Dies reduziert manuelle Eingriffe, minimiert Fehler aufgrund vergessener Perioden-Öffnungen und -Schließungen und sorgt für klare Nachvollziehbarkeit im Monatsabschluss.
Die Grundcustomizingeinstellungen zu legalen Einheiten oder Accounting-Systemen wurde grundlegend geändert und im Customizingbaum weiter verteilt. Vor allem können nun neue legale Einheiten ohne vollständige System-Neukonfiguration aktiviert werden. Das ist insbesondere für Konzerne mit mehreren Buchungskreisen von großem Vorteil. FPSL wird so deutlich flexibler und wartungsärmer.
Release 2306 erlaubt nun die Simulationsausführung von Prozessketten und nicht nur einzelner Prozessschritte. Dabei werden alle Buchungssätze, Zielwerte und Ergebnisse berechnet, jedoch in einer separaten Umgebung gespeichert – ohne dass Nebenbuchbelege erzeugt werden. So lassen sich Inkonsistenzen frühzeitig erkennen und beheben, bevor sie das produktive System beeinflussen. Bislang war es nur möglich, einzelne Prozessschritte wie Register, Tagesende oder Periodenende jeweils im Simulationsmodus zu starten, jedoch ohne dass die Zwischenergebnisse dieser Schritte für den jeweils nächsten Prozessschritt zwischengespeichert wurde. Mit der Funktionserweiterung ist es nun möglich, eine komplette Verarbeitungskette inkl. Übergabe der Zwischenergebnisse komplett im Simulationslauf zu prozessieren.
Eine zentrale Neuerung ist die Konzernaufrechnung bei Vertragsübertragungen. Sie ermöglicht die Eliminierung von Umsatzerlösen aus Geschäften innerhalb des Konzerns. Damit wird eine IFRS-konforme Konsolidierung innerhalb der Finanzinstrumente sichergestellt.
FPSL unterstützt nun den Ausgleich von Preisunterschieden nach dem Rückkauf eigener Emissionen, etwa bei Anleihen oder Verbriefungen. Diese Funktion erleichtert die korrekte Abbildung der Ergebnisse im Treasury und sorgt für eine saubere Bewertung nach IFRS 9 und HGB.
Gerade bei komplexen Systemlandschaften spielt auch die Integration eine zentrale Rolle – in unserem Artikel „SAP BTP Integration für Banken: Cloud, S/4HANA & Migration meistern“ zeigen wir, wie sich FPSL sauber in moderne S/4HANA- und Cloud-Architekturen einbetten lässt.
Der Releasewechsel auf SAP FPSL 2306 zeigte sich in der Praxis deutlich komplexer, als es die offiziellen SAP Release Notes vermuten ließen. Zahlreiche technische Abhängigkeiten machten eine sorgfältige Planung und schrittweise Umsetzung erforderlich. Besonders herausfordernd war die Umstellung auf den neuen geschäftsvorfallbasierten Defer-Rechner (6190), die nicht nur ein umfangreiches Customizing, sondern auch eine Migration bestehender Bestände und die Abschaltung des alten Defer-Rechners (6200) erforderte. Im Gegensatz dazu ist die Umstellung auf den erwarteten Cashflow eine sehr große Herausforderung an die Datenbereitstellung aus den Vorsystemen, wenn die Risikodaten nicht zeitnah je Vertrag vorliegen.
Die Umstellung auf FPSL 2306 war aufgrund der frühen Implementierung noch gespickt mit Fehlern vor allem in der Berechnung von Accrue- und Defer-Buchungen, die auf geänderte technische Logiken, aber auch Softwarefehler der frühen Version zurückzuführen waren. Auch in der Tages- und Periodenendverarbeitung kam es vereinzelt zu Abbrüchen. Diese konnten durch die Einspielung einer Vielzahl von SAP-Hinweisen schrittweise behoben werden.
movisco übernahm hierbei die vollständige Koordination des technischen und fachlichen Upgrades – von der Anpassung des Customizings über die sukzessive Implementierung und Prüfung der SAP-Hinweise bis hin zur systematischen Fehleranalyse und Nachtestung sämtlicher Kernprozesse. Durch die enge Verzahnung von Fach- und IT-Expertise konnte sichergestellt werden, dass das System nach Abschluss der Korrekturen stabil lief und alle Bewertungs- und Abgrenzungsprozesse im produktiven Betrieb konsistent funktionierten.
Der Umstieg auf SAP FPSL 2306 ist weit mehr als ein technisches Upgrade – er ist ein wesentlicher Schritt zur Zukunftssicherheit der Subledger-Architektur. Die neuen Funktionen, insbesondere im Bereich der Cashflows, Abgrenzungen und Fremdwährungsbewertung, schaffen die Grundlage für effizientere und nachvollziehbarere Buchungsprozesse. Gleichzeitig erfordert der Wechsel tiefgreifendes fachliches Know-how und Erfahrung im FPSL-Customizing, um typische Stolpersteine zu vermeiden.
Für Banken bedeutet der Releasewechsel auf SAP FPSL 2306 vor allem eines: mehr Stabilität, bessere Datenqualität und eine zukunftssichere Grundlage für regulatorische und rechnungslegungsrelevante Anforderungen.
Wenn der Releasewechsel auf FPSL 2306 Teil einer größeren S/4HANA-Roadmap ist, unterstützt unser „movisco S/4HANA Pre-Migration Check“ Banken dabei, Risiken frühzeitig zu identifizieren und eine stabile technische Basis für nachgelagerte Migrationen zu schaffen.
movisco konnte durch seine Projekterfahrung und technische Expertise sicherstellen, dass die Umstellung nicht nur reibungslos verlief, sondern auch langfristig zu einer stabileren und moderneren Accounting-Landschaft beiträgt.
Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen: Haben Sie bereits Erfahrungen mit dem FPSL-Release 2306 gesammelt oder planen Sie selbst den Umstieg? Teilen Sie Ihre Eindrücke und Fragen gerne in den Kommentaren oder treten Sie direkt mit uns in Kontakt – wir diskutieren gerne Ihre individuellen Herausforderungen und Lösungsansätze. Informieren Sie sich auf movisco SAP FPSL über unsere Angebote zum Thema.
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