Wie in unserem Blogbeitrag zur Entwicklung der Stresstests vom 08.04.2022 beschrieben, wird der sogenannte Bankenstresstest mittlerweile im zwei-jährlichen Turnus von den Aufsichtsbehörden EBA und EZB durchgeführt. Auch im Jahr 2025 ist es wieder soweit.
Lassen Sie uns zusammen zu einer kurzen Bergtour über den diesjährigen Bankenstresstest aufbrechen und gemeinsam die drei Gipfel des Stresstests erklimmen und besichtigen:
Der erste kleine Berggipfel, den es zu besteigen gilt, hat für uns folgende Highlights parat: Basiswissen, Ziele und teilnehmende Institute
Im EU-weiten Stresstest wird seitens der Europäischen Bankenaufsicht EBA und der Europäischen Zentralbank EZB ausgehend von (Jahresabschluss-) Daten vom 31.12.2024 untersucht, wie sich die Eigenkapitalposition einer Bank über die nächsten drei Jahre bis Ende 2027 unter einheitlichen Szenarien der Aufsicht entwickelt: Hierzu wird seitens der ESRB ein Basisszenario und ein adverses Szenario entwickelt und einheitlich für alle teilnehmenden Institute vorgegeben. Dazu wird der zweite Gipfel jedoch noch detailliertere Ausblicke gewähren.
Der EBA-Bankenstresstest bietet sämtlichen Marktteilnehmern ein gemeinsames und weitestgehend einheitliches Rahmenwerk, mit dem untersucht und bewertet werden kann, wie widerstandsfähig EU-Banken gegenüber länder- und sektorspezifischen wirtschaftlichen Schocks sind.
Ziel des Stresstests ist es daher mit Hilfe der Offenlegung der Ergebnisse, die Marktdisziplin aller teilnehmenden Institute zu stärken.
Dies führt uns weiter auf unserem ersten Gipfel zur Ermittlung der teilnehmenden Institute: Die EBA will in etwa 75% aller Aktiva der Banken im Euroraum abdecken und die betroffenen Institute einem Stresstest unterziehen. Unter der zusätzlichen Prämisse, dass die Aktiva mehr als 30 Mrd EUR betragen müssen, verbleiben 64 Großbanken. Für einige Banken, die nicht in der Stichprobe der EBA enthalten sind, führt die EZB parallel dazu selbst den sogenannten SSM-Stresstest durch: 45 Institute sind hiervon im Jahre 2025 betroffen. In Deutschland sind insgesamt 21 Banken zur Teilnahme eingeladen (12 davon als Teilnehmende des EBA-Bankenstresstests), darunter: Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank sowie die größten Landesbanken. Siehe auch hier und Abbildung 1.
Noch ein Blick mit dem Fernglas auf die Veröffentlichungen:
Über diejenigen Kreditinstitute aus der EBA-Stichprobe werden detaillierte, institutsspezifische Ergebnisse veröffentlicht, wohingegen über Banken aus dem SSM-Stresstest lediglich und weitestgehend aggregierte Information publiziert werden. Die EBA stellt mittlerweile auch noch umfangreich Dashboards für die Ergebnisse zur Verfügung: Diese sind äußerst sehens- und lesenswert (auch unter oben verlinkten Beitrag zu finden).
Auf unserem zweiten Gipfel begegnen wir dem Basis- und adversen Szenario sowie deren Annahmen:
Die Parameter des Basisszenarios berücksichtigen Prognosedaten zur wirtschaftlichen Entwicklung der einzelnen Nationalbanken.
Beim adversen Szenario hingegen ist das European Systemic Risk Board (ESRB) in leitender Position zur Entwicklung von Stressszenarien tätig und wird dabei von der EBA und der EZB unterstützt. Folgende Aspekte sind wesentliche Treiber in diesem Jahr:
Dies führt dann zu folgenden Annahmen im adversen Szenario:
Wie harsch das adverse Szenario im Bankenstresstest wirklich ist, veranschaulicht auch die folgende Grafik, welche das diesjährige Stresszenario anderen Krisenszenarien der Bank of England (BoE) und der Federal Reserve (Fed) gegenüberstellt:
Auf unserem dritten und finalen Gipfel erwartet uns eine bilderbuchartige Aussicht auf die Ergebnisse des Bankenstresstests im Jahre 2025 und deren Konsequenzen für die teilnehmenden Kreditinstitute.
Vorab: Beim EBA-Stresstest existiert weder ein „Bestanden“ noch ein „Nicht Bestanden“.
Die Konsequenzen der Ergebnisse und deren Auswirkungen auf den SREP (Supervisory Review & Evaluation Process) – quantitativer und qualitativer Natur – ergeben sich wie folgt:
Selbst wenn ein teilnehmendes Kreditinstitut auch eine noch so große Lücke, d.h. einen Rückgang der CET1-Quote (Common Equity Tier 1, also dem harten Kernkapital), im adversen Szenario aufweist, geht es also in keinem Fall um das „Bestehen“.
In Kürze: Die Aufsicht kann einen zusätzlichen „Aufschlag“ zum harten Kernkapital im Rahmen des „P2G-Aufschlags“ von den Banken erwarten, wenn der Rückgang des Kernkapitals im adversen Szenario des Stresstests sehr hoch ausfällt. Mehr Details dazu finden Sie in unserem Whitepaper „EBA – Bankenstresstest 2025“, das in den kommenden Tagen veröffentlicht wird.
Nun zum Highlight des letzten Gipfels unserer Bergtour:
Die Ergebnisse, also im Wesentlichen die CET1-Rückgänge, für alle Kreditinstitute in der EBA-Stichprobe aggregiert sowie für die deutschen Banken im Besonderen:
Das mittelmäßige Abschneiden der deutschen Institute ist sowohl auf den aktuell zu großen Risikoappetit mancher Häuser zurückzuführen (vgl. FAZ) als auch auf die makroökonomischen Annahmen des adversen Szenarios (Abbildung 2):
Einerseits treffen die Einschläge in die Kapitalmärkte handelsorientierte Institute wie Goldman Sachs oder Morgen Stanley in beträchtlicher Weise. Andererseits führen die deutlich rückläufigen Entwicklungen (fallende Immobilienpreise, rückläufige Exporte) in den Wirtschaftssektoren…
welche im adversen Szenario einen enormen Anstieg der Ausallwahrscheinlichkeiten erfahren, zu einem erheblichen Rückgang des Eigenkapitals.
Hierunter fallen klassischerweise deutsche Landesbanken und auch die Aareal Bank.
Besonders bemerkenswert: Auf den 20 letzten Plätzen (gemessen nach CET1-Rückgang) befinden sich acht Institute aus Deutschland. Wie die BaFin zu Ihrer Einschätzung kommt, dass
„Auch die deutschen Institute […] sich im diesjährigen, besonders anspruchsvollen Krisenszenario widerstandsfähig“ zeigen (BaFin)
bleibt wohl ihr Geheimnis.
Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben sich hingegen einen Platz im soliden Mittelfeld sichern können.
Erwähnenswert sind noch die DZ Bank AG und die LBBW:
Nach dem ernüchternden Resultat der DZ Bank AG aus dem Stresstest 2023 (Rückgang des CET1 um 561 bps im adversen Szenario) hat sie sich nun im Stresstest 2025 deutlich verbessert und erfährt nun noch einen maximalen Rückgang von 366 bps.
Insbesondere die LBBW hat ein ziemlich beängstigendes Resultat eingefahren:
Im adversen Szenario erfährt sie im Jahr 2027 einen Rückgang um 701 bps, was zu einer CET1-Ratio von 5,54% führt. Es handelt sich hierbei um das zweitschlechteste Resultat in der gesamten Stichprobe.
In ihrem Abschlussbericht schlägt die EBA jedoch grundsätzlich moderate Töne an:
„Der EU-Bankensektor hat in den letzten zwei Jahren seine Rentabilität und seine Kapitalquoten weiter verbessert, was die Auswirkungen des schweren Szenarios abgefedert hat. Banken reagieren zwar risikosensitiver auf Veränderungen im Szenario mit höheren nominalen Verlusten, verfügen aber über eine bessere Verlustabsorptionskapazität durch Ertragsgenerierung. Für diesen Stresstest liegt der NII-Ausgangswert auf einem hohen Niveau und bleibt trotz der erheblichen Auswirkungen des Szenarios robust. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Verlustabsorptionskapazität aus dem NII künftig sinken wird, da sich die Nettozinsmargen der Banken von einem hohen Niveau aus normalisieren werden.“
Bei letzterem dürfen sich wohl vor allem die deutschen Institute angesprochen fühlen.
Ab dem 13.08.2025 finden Sie unser Whitepaper zum EBA Bankenstresstest 2025 online abrufbar– mit detaillierten Analysen zu Szenarien, Ergebnissen und regulatorischen Implikationen.
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