Die regulatorischen Anforderungen rund um ESG und Nachhaltigkeitsreporting nehmen kontinuierlich zu. Für viele Unternehmen wird die CO₂-Bilanzierung damit vom „Nice-to-have“ zu einer konkreten Anforderung von Kunden, Banken und Investoren und somit zu einer organisatorischen und operativen Aufgabe.
Doch oft stehen die Verantwortlichen vor den gleichen Fragen:
Wir, die BlackBoar AG und die movisco AG, haben daher gemeinsam eine Schulung zur CO₂-Bilanzierung durchgeführt. Ziel war es, den Teilnehmern nicht nur theoretische Grundlagen zu vermitteln, sondern vor allem einen praxisnahen Einstieg in die Umsetzung einer belastbaren CO₂-Bilanz zu ermöglichen.
Neben den kontinuierlich steigenden Anforderungen an Unternehmen - insbesondere im Kontext von ESG-Reporting, CSRD und gruppenweiten Nachhaltigkeitsanforderungen, ist eine CO₂-Bilanz weit mehr als ein reines Reporting-Thema.
Wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen im Sustainable Finance-Umfeld verändern und was die EU-Omnibus-Regulierung für Banken bedeutet, haben wir in einem eigenen Beitrag eingeordnet.
Wer sich intensiv mit Emissionsdaten beschäftigt, analysiert automatisch Prozesse, Datenflüsse und organisatorische Strukturen aus einer neuen Perspektive. Dadurch entstehen häufig auch Ansatzpunkte für Prozessoptimierungen, höhere Transparenz und langfristige Effizienzsteigerungen.
Im Rahmen der Schulung wurden unter anderem folgende Themen behandelt:
Besonders wichtig war uns dabei der Praxisbezug. Denn in der Realität scheitert CO₂-Reporting selten an der Theorie – sondern meist an Prozessen, Datenstrukturen und fehlenden Verantwortlichkeiten.
Im Workshop wurde schnell deutlich, dass viele Unternehmen vor ähnlichen Problemen stehen:
1. Die größte Herausforderung ist nicht die Methodik
Wer sich erstmals mit CO₂-Bilanzierung beschäftigt, konzentriert sich häufig auf Emissionsfaktoren, Berechnungsmethoden und regulatorische Vorgaben.
Unsere Projekterfahrung zeigt jedoch ein anderes Bild: Die eigentlichen Herausforderungen liegen selten in der Theorie. Sie liegen in den Daten, den Prozessen und der Organisation.
2. (Scope)-Abgrenzungen sind oft nicht eindeutig
Die meisten Unternehmen können ihren Stromverbrauch oder ihre Fuhrparkdaten relativ einfach erfassen. Deutlich schwieriger wird es bei Scope-3-Emissionen. Da Scope 3 häufig den größten Anteil der Gesamtemissionen ausmacht, entscheidet eine saubere Abgrenzung maßgeblich über die Qualität der gesamten CO₂-Bilanz.
Neben Scope 1, 2 & 3 ist außerdem eine klare Definition der Systemgrenzen – also wo beginnt/endet die vor/nachgelagerte Lieferkette – unumgänglich.
3. Daten liegen verteilt und unstrukturiert vor
Ein besonders häufiges auftretendes Problem:
Die benötigten Informationen existieren zwar bereits im Unternehmen, sind jedoch über verschiedene Systeme, Abteilungen und Prozesse verteilt.
Ein typisches Beispiel sind Geschäftsreisen:
Informationen zu Bahnfahrten, Flügen, Hotelübernachtungen oder Kilometerangaben befinden sich oft in unterschiedlichen Tools, E-Mails oder Excel-Dateien. Für ein belastbares CO₂-Reporting müssen diese Daten jedoch systematisch gesammelt, strukturiert und auswertbar gemacht werden.
Welche Rolle Datenqualität und Data Governance speziell bei ESG-Daten spielen, beleuchten wir ausführlicher in unserem Beitrag „ESG-Daten im Bankensektor“.
4. Die bestehende Systemlandschaft ist nicht auf CO₂-Reporting ausgelegt
Viele Unternehmen verfügen über historisch gewachsene Systemlandschaften in denen zentrale ESG-Datenstrukturen fehlen. Nachhaltigkeitsdaten wurden bislang schlicht nicht benötigt.
Dadurch fehlt häufig:
5. CO₂-Bilanzierung wird oft „nebenbei“ organisiert
In vielen Unternehmen wird das Thema zusätzlich zu bestehenden Aufgaben/ dem Tagesgeschäft, beispielsweise in Buchhaltung, Controlling oder Verwaltung, übernommen.
Das führt verständlicherweise zu Kapazitätsengpässen. Gleichzeitig entsteht dadurch die Herausforderung, die Datenerhebung nicht nur einmalig, sondern langfristig effizient und möglichst teilautomatisiert aufzusetzen.
Genau hier liegt aus unserer Sicht einer der wichtigsten Punkte:
Der größte Aufwand entsteht meist im ersten Jahr.
Wer frühzeitig Strukturen, Prozesse und Datenflüsse sauber definiert, schafft die Grundlage für eine jährlich wiederkehrende und effiziente CO₂-Bilanz.
Darüber hinaus entstehen oft zusätzliche Mehrwerte. Eine Prozessanalyse aus einem anderen Blickwinkel hilft bei:
CO₂-Bilanzierung wird damit nicht nur zur regulatorischen Pflicht, sondern kann auch Impulse für organisatorische Verbesserungen liefern.
CO₂-Bilanzierung ist zugleich Teil eines größeren Sustainable Finance-Kontexts. Weitere Handlungsfelder und Zusammenhänge ordnen wir in unserem Leitfaden zu Sustainable Finance für Banken ein.
Die Schulung wurde von den Teilnehmern sehr positiv aufgenommen. Besonders hervorgehoben wurden der hohe Praxisbezug, die verständliche Vermittlung komplexer Themen sowie die konkreten Handlungsempfehlungen für die nächsten Schritte.
Wir freuen uns, ein Unternehmen bei diesem wichtigen Thema begleitet zu haben und danken allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für den offenen Austausch und die aktive Diskussion.
Viele Unternehmen stehen aktuell vor ähnlichen Fragestellungen:
Wie starten wir sinnvoll? Welche Daten benötigen wir wirklich? Wie schaffen wir langfristig einen effizienten und prüfbaren Prozess?
Dieser Blogbeitrag ist in Kooperation durch Dr. Andy Beier, Senior Consultant movisco AG, und Thomas Grässl, Senior Consultant bei BlackBoar AG, enstanden.
Thomas Grässl, M.A. ist Senior Consultant bei der BlackBoar AG mit Schwerpunkt auf Sustainable Finance & ESG, Data Governance und Regulatorik. Durch seinen akademischen Hintergrund verbindet er starke analytische Fähigkeiten mit tiefem Verständnis für Nachhaltigkeitstransformationen. Er verfügt über fundierte Expertise in Wesentlichkeits- und Risikoanalysen, der Definition und Operationalisierung von ESG-KPIs, der Entwicklung von Transitionsplänen und ESG-Strategien sowie im Reporting nach etablierten Standards (CSRD, VSME, TCFD, GRI…). Er ist Experte für Datenarchitektur und Data Governance und unterstützt Banken bei der Gestaltung regulatorisch konformer Datenmodellen (u. a. BCBS 239, CRR III) sowie im Compliance- und Risikomanagement.
Wir freuen uns über Ihre direkte Kontaktaufnahme!