Zero Copy bezeichnet den Ansatz, Daten direkt an ihrer Quelle zu lesen, statt sie per ETL in ein Zielsystem zu kopieren. In der SAP Business Data Cloud wird dieses Prinzip über das Delta-Sharing-Protokoll umgesetzt: Sogenannte Data Products lassen sich bereitstellen und nutzen, ohne die Daten physisch zu verschieben. Dieser Beitrag erklärt, wie Zero Copy statt ETL in der Praxis funktioniert – und wo die Grenzen des Versprechens liegen.
In vielen Banken ist die SAP-Datenlandschaft über Jahre gewachsen. Zahlreiche Extraktionsstrecken befüllen Data Warehouses, Reporting-Schichten und nachgelagerte Systeme – und mit jeder Strecke entsteht eine weitere Kopie derselben Daten. Das kostet Zeit, Speicher und vor allem Abstimmungsaufwand, sobald mehrere Datenstände nebeneinander existieren.
Mit der SAP Business Data Cloud (BDC) und dem integrierten SAP Databricks rückt ein anderes Prinzip in den Vordergrund: Zero Copy. Dieser Beitrag ordnet ein, was dahintersteckt – ohne technische Tiefe vorauszusetzen.
Beim klassischen ETL-Ansatz (Extract, Transform, Load) werden Daten aus dem Quellsystem herausgezogen, unterwegs aufbereitet und in ein Zielsystem geschrieben. Am Ende liegt eine Kopie der Daten am neuen Ort – zusätzlich zum Original.
Das funktioniert seit Jahrzehnten zuverlässig, bringt aber drei typische Folgekosten mit sich:
Gerade im regulatorischen Reporting, wo Nachvollziehbarkeit und Konsistenz zählen, wird dieser Aufwand schnell spürbar.
Zero Copy dreht den Ansatz um. Statt Daten zu kopieren, greifen die konsumierenden Systeme direkt auf die Daten am Quellort zu. Es gibt keinen Ladelauf, keine zweite Kopie und keinen Versatz zwischen Original und Duplikat – alle Beteiligten arbeiten auf demselben Datenbestand.
Technisch ermöglicht wird Zero Copy bei SAP durch ein offenes Protokoll namens Delta Sharing, ursprünglich von Databricks entwickelt. Es erlaubt den sicheren Datenaustausch zwischen Plattformen, unabhängig davon, welche Systeme die Beteiligten einsetzen.
Der entscheidende Punkt: Die empfangende Seite liest die Daten live an der Quelle. Der Zugriff erfolgt über gängige, offene Konnektoren – etwa für Python, Apache Spark, Power BI, Tableau oder Excel. Weil das Protokoll offen ist, bleibt der Empfänger unabhängig von einem einzelnen Anbieter.
Die SAP Business Data Cloud stellt Daten in Form sogenannter Data Products bereit – fertig modellierte, konsumierbare Datenpakete, ob Stamm- oder Bewegungsdaten.
Nach SAPs eigener Darstellung nutzt die Business Data Cloud das Delta-Sharing-Protokoll, um diese Data Products per Zero Copy zu teilen: Die Daten werden nicht bewegt oder kopiert, komplexes ETL entfällt, und der Datenbestand bleibt über die gesamte BDC-Landschaft konsistent.
Konkret heißt das: Ein Data Product, das in SAP Datasphere modelliert wurde, lässt sich in SAP Databricks weiterverarbeiten – etwa für Data Science oder KI – ohne vorherige ETL-Kopie. Die Anreicherung aus Databricks kann auf demselben Weg zurück nach Datasphere geteilt werden. Der Austausch läuft in beide Richtungen.
Für Banken, die ihre bestehende BW-Landschaft modernisieren, ist Zero Copy ein zentraler Baustein – mehr dazu unter SAP BW Modernisierung mit der SAP Business Data Cloud und in unserem Überblick zum SAP Data Warehousing.
„Zero Copy“ ist ein starkes Versprechen – und gilt in der Praxis mit einer wichtigen Einschränkung. Kopierfrei bleibt es nur bei einer viewbasierten Verarbeitung: Über eine Sicht wird auf die Originaldaten zugegriffen, ohne diese zu materialisieren (physisch als eigene Kopie abzulegen).
Sobald ein Data Product physisch gespeichert (materialisiert) oder über eine Transformation abgeleitet wird, entsteht sehr wohl eine Kopie. Aufschlussreich sind die jeweiligen Standardeinstellungen:
Für eine realistische Architekturbewertung ist diese Unterscheidung wesentlich: Zero Copy ist kein Automatismus, sondern das Ergebnis bewusster Entscheidungen bei der Modellierung.
Zero Copy über Delta Sharing ist keine technische Spielerei, sondern eine Antwort auf ein reales Problem gewachsener SAP-Landschaften: zu viele Kopien, zu viel Abstimmung, zu wenig Aktualität. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
Wer die Grundlagen kennt, kann die richtige Architekturentscheidung treffen, bevor die erste Datenstrecke gebaut wird.
Sie prüfen den Einstieg in die SAP Business Data Cloud oder modernisieren Ihre bestehende SAP-BW-Landschaft? movisco begleitet Banken von der Architekturbewertung bis zur Umsetzung. Sprechen Sie uns an – gemeinsam prüfen wir, wo Zero Copy in Ihrer Datenlandschaft echten Mehrwert bringt.
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